VW Scirocco – die Reifeprüfung

Die erste Generation VW Scirocco verkaufte sich ansehnlich: Innerhalb von sieben Jahren wurden weltweit 504.153 Scirocco 1 abgesetzt.

Der VW Scirocco war bei seinem Debüt tatsächlich die Reifeprüfung – für die vielen Autoteile, die er sich mit dem dringend benötigten Käfer-Nachfolger Golf I teilte. Die Alfa-lastige Reifeprüfung im Kino ist ein ganz anderes Thema. Wenngleich der Scirocco 1 auf der Bodengruppe des Golf entwickelt wurde, debütierte er 1974 zwei Monate vor dem für Wolfsburger Verhältnisse mindestens revolutionären Kompaktwagen. Freilich übernahm der Scirocco auch den unsportlichen Frontantrieb, doch musste andererseits in seinen hinterradgetriebenen Konkurrenten Opel Manta und Ford Capri auch der richtige Motor stecken, um sie als Sportwagen durchgehen zu lassen.

VW Scirocco trotzt der Ölkrise

Wer den Scirocco 1 als Einstieg ins Raserleben nutzen wollte, musste sich noch bis 1976 gedulden: Parallel zum 110 PS starken Golf GTI rollte der gleichstarke Scirocco GTI in die Autohäuser, zunächst jedoch in homöopathischen Dosen. Klar, dass Ölkühler, innenbelüftete Scheibenbremsen vorn sowie breitere Felgen und Reifen diesen VW Scirocco zum Schulhofgespräch machten. 186 km/h Spitze und glatte 10 Sekunden für den Standardsprint von 0 auf 100 km/h waren seinerzeit durchaus ansprechende Werte. Das geringe Gewicht von deutlich unter 900 kg half zusätzlich beim Sprit sparen: 10,5 Liter Super waren nach der Ölkrise durchaus in Ordnung.

Scirocco 1 mit Turboaufladung

War es kein Scirocco GTI, musste der testosteronstrotzende Fahrer seinen Untersatz eben so bewegen, als sei es einer: schön hochtourig fahren und ab und an mal ein Kavaliersstart, damit niemand die 50 PS des VW 1.1-Liter-Vierzylinders ansprach. Auch durch Scirocco Tuning ließ sich einiges beheben, wenn es für die 1.5 oder 1.6 l großen Triebwerke nicht gereicht hatte. Tieferlegen und Sportauspuff war eine Möglichkeit. Als Volkswagen selbst dem Scirocco 1 testweise einen Turbolader verpasste, schockierte das Ergebnis durch Unzuverlässigkeit. Bei mehr Standfestigkeit wäre der Scirocco Turbo in den Export gegangen. Aufladung gab es dann erst 1988 mit dem Corrado G60 – sieben Jahre nach Einstellung des Scirocco 1.