De Tomaso Longchamp – auf der falsche Pferderennbahn gesetzt

In den 70ern sollte es bitte ein kräftiger US-V8 sein, doch bitte kein Schlachtschiff, aber auch kein ordinärer amerikanischer Ford Granada? Wer sich in Europa mit solchen Sorgen plagte, war mit dem De Toamso Longchamp womöglich gut bedient.

Der De Tomaso Longchamp sah recht schnittig aus und trug vor allem einen beeindruckenden Namen. Nachdem der Firmenchef De Tomaso mit dem Pantera gezeugt hatte, das ein US V8 und eine italienische Karosserie bei einem Supersportwagen gut zusammenpassen, konnte man es ja auch einmal bei den großen Reisenwagen ausprobieren. Als ein solcher 1972 in den Handel kam, basierte er auf dem gekürzten Chassis des viertürigen Deauville und ähnelte in der Frontgestaltung stark dem Mercedes R107 – sicherlich nicht ganz unbeabsichtigt. Unter dem Ghia-Blech waren des 460cm langen, 183 cm breiten und 130 cm hohen Gran Tourismo waren aber manche anderen Marken vertreten.

De Tomaso Longchamp verkauft sich bestenfalls schleppend

De Tomaso bezog etwa die Heckleuchten von Alfa Romeo, die Hinterachskonstruktion steuerte der britische Nobelgleiter Jaguar XJ bei, die Frontscheinwerfer der europäischen Ford Granada. An irgendeinem Granada kam man also nicht vorbei. Den Antrieb übernahm ein Ford 351 cui Small Block V8 mit 270 bis 330 PS, die Weiterleitung der Motorkraft an die Hinterräder meist eine Ford C6-Automatik. Nur 17 der  bis zur Produktionseinstellung im Jahr 1989 gebauten 414 De Tomaso Longchamp wurden mit dem alternativ erhältlichen Fünfgang-Getriebe von Zulieferer ZF bestückt.

De Tomaso sparte beim Longchamp in Sachen Ausstattung nicht

Auch wenn der De Tomaso Longchamp dank des kräftigen Motors 240 km/h Spitze machte und mit einem diesme tempo gewachsenem Fahrwerk glänzte, überzeugte der kantige und etwas lieblos designte Wagen kaum: Ford vertrieb die Flitzer wegen verbesserungswürdiger Verarbeitungsqualität nicht wie anfangs geplant über seine Lincoln-Mercury Händler. Und einen Eigenimport wollten nur wenige auf sich nehmen oder beauftragten wegen der damit unsicheren Garantie-Lage auch nur selten seine freien Importeur. Keim Wunder, dass der Italo-Amerikaner hüben wie drüben selten ist. Ober der Durst des auch dank umfangreicher Ausstattung 1815 kg schweren Coupes damit zusammenhängt?