Ford Zodiac Mk IV: Der letzte große Brite aus Dagenham
Mit dem Zodiac Mk IV verabschiedete sich Ford Großbritannien von seinen eigenständigen Oberklasse-Limousinen. Was den langen Engländer ausmacht, worauf du beim Kauf achten solltest und wie es um Teile und H-Kennzeichen steht.
Lange Motorhaube, kurzes Heck, vier Scheinwerfer und eine fast amerikanisch wirkende Breite: Der Ford Zodiac Mk IV fällt auf jedem Klassikertreffen auf, gerade weil man ihm hierzulande selten begegnet. Er war das letzte große Auto, das Ford Großbritannien ganz in eigener Regie entwickelte. Danach übernahmen gemeinsam mit den deutschen Kollegen entworfene Modelle. Wer sich für britische Limousinen der späten Sechziger interessiert, findet im Zodiac einen eigenwilligen, komfortablen Reisewagen mit spannender Geschichte.
Ein Ford mit eigenem Kopf
In den Fünfziger- und Sechzigerjahren bauten Ford in Köln und Ford in Dagenham weitgehend getrennte Modellprogramme. Die Briten pflegten mit Zephyr und Zodiac eine eigene Linie großer Limousinen, die über mehrere Generationen gewachsen war. Die vierte und letzte Generation kam Mitte der Sechziger auf den Markt und blieb bis Anfang der Siebziger im Programm.
Das Design brach deutlich mit den Vorgängern. Statt der eher rundlichen oder kantig-gefälligen Formen früherer Generationen setzte Ford auf eine gestreckte Silhouette mit auffallend langem Vorderwagen. Der hatte einen praktischen Hintergrund: Das Reserverad wanderte nach vorn in den Motorraum, wodurch der Kofferraum geräumiger ausfiel. Für Werkstattbesuche ist das bis heute ein Detail, das Fremde überrascht.
Zephyr, Zodiac und Executive: die Familie im Überblick
Die Baureihe gliederte sich in mehrere Stufen, die sich vor allem bei Motorisierung und Ausstattung unterschieden:
- Zephyr: die schlichtere Variante, erkennbar an zwei statt vier Scheinwerfern. Im Heimatmarkt gab es kleinere V4- und V6-Motoren, je nach Markt waren auch stärkere Ausführungen erhältlich.
- Zodiac: das eigentliche Spitzenmodell mit Doppelscheinwerfern und dem großen V6 mit rund drei Litern Hubraum.
- Zodiac Executive: die luxuriöseste Stufe mit gehobener Innenausstattung, etwa Holzapplikationen, Teppich und umfangreicherer Instrumentierung. Ein Automatikgetriebe gehörte hier zum gehobenen Anspruch.
Zusätzlich entstanden Kombiversionen, die von einem externen Karosseriebauer gefertigt wurden. Sie sind heute deutlich seltener als die Limousinen.
Technik: Essex-V6 und Einzelradaufhängung
Herzstück des Zodiac ist der sogenannte Essex-V6, ein Graugussmotor mit untenliegender Nockenwelle. Er gilt als robust und drehmomentstark, ist aber kein Feinmechaniker-Triebwerk. Für dich als Besitzer hat er einen großen Vorteil: Der Motor wurde auch in anderen Ford-Modellen wie dem Capri und dem Transit verwendet, was die Versorgung mit Verschleißteilen spürbar erleichtert.
Fahrwerksseitig war der Zodiac für seine Klasse fortschrittlich. Statt einer starren Hinterachse besaß er eine Einzelradaufhängung hinten, die für ordentlichen Federungskomfort sorgt. Allerdings braucht diese Konstruktion gepflegte Lager und Buchsen, sonst wird das Fahrverhalten schwammig. Die Lenkung ist, typisch für große Wagen jener Zeit, eher indirekt.
Worauf du beim Kauf achten solltest
Ein Zodiac Mk IV ist kein Massenklassiker, und das Angebot in Deutschland ist überschaubar. Viele Fahrzeuge stammen aus Großbritannien und haben das Lenkrad rechts. Plane deshalb Zeit für die Suche ein und prüfe diese Punkte besonders genau:
- Rost: Schweller, Radläufe, Wagenheberaufnahmen, Bodenbleche und der Bereich um die Hinterachsaufnahmen sind anfällig. Auch der Kofferraumboden und die Scheinwerferumgebung verdienen einen kritischen Blick.
- Motor: Achte auf Geräusche aus dem Steuertrieb, Ölverlust und die Kühlung. Überhitzung tut dem Essex-V6 nicht gut.
- Hinterachse: Ausgeschlagene Buchsen und Gelenke machen sich durch Poltern und unruhigen Geradeauslauf bemerkbar.
- Ausstattungsteile: Zierleisten, Embleme, Holzteile und Polster des Executive sind schwerer zu finden als Technikteile. Ein vollständiges Auto ist oft mehr wert als ein technisch besseres mit Lücken.
- Dokumentation: Belege über Restaurierungen und Wartungen helfen bei der Einschätzung und später bei der Bewertung.
Zu Marktpreisen lässt sich nur grob sagen: Die Spanne reicht von günstigen Projekten bis zu deutlich teureren, gut restaurierten Exemplaren. Zustand, Ausführung, Lenkungsseite und Historie bestimmen den Wert maßgeblich. Ein Wertgutachten schafft Klarheit, bevor du kaufst oder versicherst.
Alltag mit dem Klassiker: Zulassung, Versicherung, Pflege
Vom Alter her erfüllt der Zodiac die Voraussetzung für ein H-Kennzeichen. Entscheidend ist aber der Zustand: Ein anerkannter Prüfer muss das Fahrzeug als weitgehend original und gut erhalten einstufen. Bei Importfahrzeugen kommt die Einzelabnahme für die deutsche Zulassung hinzu. Welche Unterlagen nötig sind, erfährst du bei deiner Zulassungsstelle und beim Prüfingenieur.
Für die Versicherung lohnt sich ein spezieller Oldtimertarif, der meist an Bedingungen wie ein Alltagsfahrzeug oder eine begrenzte Jahresfahrleistung geknüpft ist. Die Konditionen unterscheiden sich je nach Anbieter und Tarif deutlich.
Bei der Pflege gilt das Übliche für britische Klassiker: trocken unterstellen, Hohlräume konservieren, regelmäßig bewegen. Ein Zodiac, der lange steht, dankt das mit festsitzenden Bremsen und spröden Dichtungen.
Das Ende einer Ära
Anfang der Siebziger legte Ford seine europäischen Aktivitäten enger zusammen. Statt getrennter Modelle für Deutschland und Großbritannien sollte es gemeinsame Baureihen geben. Für Zephyr und Zodiac bedeutete das den Abschied, ihre Nachfolge traten Consul und Granada an. Damit endete eine Tradition eigenständiger britischer Ford-Limousinen, und genau das macht den Mk IV heute für viele Sammler reizvoll.
Häufige Fragen
Ist der Ford Zodiac Mk IV ein guter Einsteiger-Oldtimer?
Technisch ja, da der V6 robust und Motorteile gut verfügbar sind. Die Suche nach einem guten Exemplar und nach Karosserie- oder Ausstattungsteilen erfordert aber Geduld.
Wie unterscheide ich Zephyr und Zodiac?
Am einfachsten an der Front: Der Zodiac hat vier Scheinwerfer, der Zephyr zwei. Dazu kommen Unterschiede bei Motor und Ausstattung.
Bekomme ich für einen Rechtslenker ein H-Kennzeichen?
Grundsätzlich ist das möglich, wenn das Fahrzeug die Voraussetzungen erfüllt. Kläre Details zu Scheinwerfern und Abnahme vorab mit einem Prüfingenieur.
Wo liegt das Reserverad?
Vorn im Motorraum vor dem Motor. Diese Lösung schuf mehr Platz im Kofferraum und erklärt die besonders lange Motorhaube.