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Maserati Merak: der Mittelmotor-Maserati mit sechs Zylindern

Der Merak teilte sich die Silhouette mit dem Bora, trug aber einen kompakten V6 und bot dafür Notsitze. Hier erfährst du, was den Klassiker ausmacht und worauf du beim Kauf achten solltest.

Wer an Mittelmotor-Sportwagen aus Italien denkt, hat meist zuerst die großen Zwölfzylinder vor Augen. Der Maserati Merak geht einen anderen Weg: Er sieht aus wie ein reinrassiger Supersportwagen, setzt aber auf einen vergleichsweise kompakten Sechszylinder. Gerade das macht ihn heute für viele Liebhaber interessant – als Einstieg in die Welt der klassischen Maserati, der dennoch viel Charakter mitbringt.

Ein Kind der Citroën-Jahre

Der Merak entstand in einer Phase, in der Maserati eng mit Citroën verbunden war. Die Franzosen brauchten einen kräftigen Motor für ihr Luxuscoupé SM, Maserati lieferte dafür einen V6. Dieser Motor bildete später auch das Herz des Merak. Vorgestellt wurde der Wagen Anfang der Siebziger als Ergänzung zum Bora, dem ersten Maserati mit Mittelmotor.

Den Namen lieh sich das Modell von einem Stern im Sternbild Großer Bär – eine Tradition, die bei Maserati immer wieder auftaucht. Nach dem Rückzug von Citroën übernahm die Gruppe um Alejandro de Tomaso das Ruder, und der Merak wurde in den folgenden Jahren schrittweise weiterentwickelt, bis die Produktion Anfang der Achtziger auslief.

Gestaltung: vertraute Linie, eigene Lösung

Optisch ist die Verwandtschaft zum Bora unübersehbar. Die keilförmige Front und die Proportionen stammen aus derselben Feder, nämlich aus dem Studio von Giorgetto Giugiaro. Am Heck zeigt der Merak jedoch seine Eigenständigkeit: Statt einer großen Glaskuppel über dem Motor besitzt er eine flache Abdeckung, seitlich eingefasst von markanten offenen Streben, die die Dachlinie nach hinten fortsetzen.

Der kürzere V6 schaffte Raum im Innenraum. So bietet der Merak zwei kleine Notsitze hinter den Vordersitzen – für Erwachsene kaum dauerhaft nutzbar, aber praktisch für Gepäck oder Kinder auf kurzen Strecken. Ein Mittelmotor-Sportwagen mit 2+2-Auslegung war damals eine Besonderheit.

Technik und Modellvarianten

Unter der Haube arbeitet ein Sechszylinder in V-Anordnung mit rund drei Litern Hubraum. Frühe Fahrzeuge übernahmen nicht nur den Motor, sondern auch weitere Bauteile von Citroën, etwa das Hochdruck-Hydrauliksystem für die Bremsen und ein Armaturenbrett im Stil des SM. Unter de Tomaso verschwanden diese Elemente nach und nach zugunsten konventionellerer Lösungen.

  • Merak: die Grundversion mit dem Dreiliter-V6.
  • Merak SS: leistungsgesteigerte Ausführung, später mit überarbeitetem Innenraum.
  • Merak 2000 GT: Version mit kleinerem Motor, gedacht vor allem für den italienischen Markt mit seiner hubraumabhängigen Besteuerung.

Insgesamt wurden nur wenige tausend Exemplare gebaut – die genaue Zahl wird je nach Quelle unterschiedlich angegeben, liegt aber im niedrigen vierstelligen Bereich. Entsprechend selten begegnet man dem Merak heute auf der Straße.

Worauf du beim Kauf achten solltest

Ein Merak ist kein Auto, das man spontan kauft. Seltenheit, Mischtechnik aus zwei Konzernen und die Mittelmotor-Bauweise machen eine gründliche Prüfung unverzichtbar. Ziehe am besten einen markenkundigen Gutachter hinzu.

Motor und Antrieb

  • Steuerketten: Der V6 gilt als empfindlich, was Kettenspanner und Ketten betrifft. Lass dir nachweisen, ob und wann diese Teile überholt wurden.
  • Kühlung: Lange Wasserleitungen zwischen Front und Heck neigen zu Undichtigkeiten und Luftblasen.
  • Kupplung und Getriebe: Schaltbarkeit und Geräusche genau prüfen, Reparaturen sind aufwendig.

Hydraulik, Karosserie und Elektrik

  • Bei Fahrzeugen mit Citroën-Hydraulik braucht es Fachwissen. Ein unsachgemäß gewartetes System ist ein Kostenrisiko.
  • Rost an Schwellern, Radläufen, Bodenblech und im Bereich der Heckstreben kontrollieren.
  • Elektrik und Schalter auf Funktion testen; italienische Kabelbäume dieser Ära gelten als anfällig.
  • Vollständige Historie und Rechnungen sind bei einem so seltenen Auto viel wert.

Marktlage, Unterhalt und H-Kennzeichen

Im Vergleich zum Bora mit seinem V8 ist der Merak meist günstiger zu haben, doch die Preise hängen extrem vom Zustand, der Ausführung und der Dokumentation ab. Ein restaurierungsbedürftiges Fahrzeug kann am Ende teurer werden als ein gepflegtes Exemplar, weil Teile und Fachleute rar sind. Plane deshalb von Anfang an ein Budget für Wartung und Unvorhergesehenes ein.

Da der Merak die Altersgrenze für das H-Kennzeichen längst überschritten hat, kommt eine Zulassung als historisches Fahrzeug grundsätzlich in Frage. Voraussetzung ist ein weitgehend originaler, gepflegter Zustand, den ein anerkannter Prüfer im Oldtimer-Gutachten bestätigt. Details klärst du mit der Prüforganisation und der Zulassungsstelle. Für die Versicherung lohnt sich ein Wertgutachten, damit der Wagen im Schadensfall angemessen eingestuft wird.

Häufige Fragen

Ist der Merak ein „echter“ Maserati, obwohl der Motor im Citroën SM steckte?

Ja. Der V6 wurde von Maserati entwickelt und gebaut. Citroën war Abnehmer und zeitweise Eigentümer, die Technik stammt aber aus Modena.

Sind die Notsitze im Alltag nutzbar?

Nur eingeschränkt. Für kurze Strecken mit Kindern oder als Ablage reichen sie, für Erwachsene sind sie sehr knapp bemessen.

Welche Version ist für Einsteiger am sinnvollsten?

Viele Liebhaber bevorzugen späte SS-Modelle mit konventionellerer Bremsanlage, weil Wartung und Ersatzteilsuche einfacher sein können. Entscheidend bleibt aber der individuelle Zustand.

Bekommt man noch Ersatzteile?

Vieles ist über spezialisierte Quellen und den Austausch in Markenclubs erhältlich, manche Teile sind jedoch selten und teuer. Gute Kontakte in die Szene sind beim Merak fast so wichtig wie das Auto selbst.