Zil 117 – ein Ami aus der Sowjetunion

Wer einst die Tagesschau oder Aktuelle Kamera aufmerksam verfolgte, konnte bei Staatsbesuchen sowjetischer und einiger anderer sozialistischer Staatsoberhäupter seltene Luxuskaleschen erspähen. Diese stammten oft von Zil, wie etwa der Zil 117.

Der Zil 117 wurde zwischen 1971und 1968 als reines Repräsentationsfahrzeug in geringen Stückzahlen gebaut und orientierte sich technisch wie stilistisch an den sonst gerne von offzieller Seite kritisierten  Fahrzeugen amerikanischer Herkunft. Er stellte eine um 50 cm gekürzte Version des siebensitzigen Zil 114 dar. Die Frontpartie des Fünfsitzers erinnert an die der ’67er Fullsize-Modelle von Chevrolet, die Dachlinie gab es so auch schon bei den Imperials aus dem Hause Chrysler. Das Heck ist indes geradezu bieder-unauffällig. Doch die Übernahme vom Design des Klassenfeindes war ja nichts neues, wie auch die Dreistufen-Automatik mit der vom Edsel und diversen Mopar-Mobilen bekannten Drucktasten-Bedienung abermals belegt.

V8-Kraft im Zil

Im Zil 117 war ohnehin nichts neu, weder optisch noch technisch. Der Stößelstangen-V8-Motor mit zentraler Nockenwelle war genauso amerikanisch inspiriert wie die starre Hinterachse an Blattfedern. Bei Mercedes sah das alles schon ganz anders aus. In jedem Fall bemerkenswert am Zil 117 waren jedoch die Scheibenbremsen an allen 225er Reifen, zu Zeiten als vier Trommeln eher die Norm darstellten. Bei einem Gewicht von knapp drei Tonnen und einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h waren die Scheiben allerdings mehr als angebracht. Dazu liefen beim 7.0 l-V8 mit 300 PS und 570 Nm Drehmoment auch gerne bis zu 40 l durch die Vergaser-Düsen. Da ordentliche Oligarchen jedoch westlichen Luxus bevorzugen, wechseln die Gebrauchtwagen zu recht moderaten Preisen den Besitzer.

Zil mit Stil

Die Zil 117 standen auf einem robustem X-Kastenrahmen mit vorderer Torsionsstab-Ferderung, der auch die Realisierung eines großen Cabriolets vereinfachte. Diese Konstruktion verweist klar auf die Kernkompetenz des Kombinats Zawod Imeni Lichatschew, nämlich Lastkraftwagen. Mit einer Länge von rund 5,7 Metern steht der Stolz der Partei auf einer Ebene von damaligen Fullsize-Amerikanern oder – aktueller – dem Maybach 57. die Ausstattung war zeitgemäß, elektrische Fensterheber und Außenspiegelm, zentralverriegeklung und ein Höhenverstellbares lenkrad sorgetn auch beim Fahrer für gute Laube. Neben weiträumigen Sitzverhältnissen der lederbezogenen Fahrgastzelle mit Bar und Klimaanlage für die oberen Genossen gab es im Zil 117 auch genügend Platz im 170 cm breiten und 95 cm tiefen Kofferraum für deren Gepäck oder zwei weitere Mitfahrer, wie es im James Bond-Film „Casino Royale“ zu sehen ist: Dort fasst das Abteil problemlos die Leichen zweier afrikanischer Warlords.