Wartburg 311 – automobiler Realsozialismus

Als der Wartburg 311 im Jahr 1956 debütierte, entsprach der Mittelklasse-Wagen gängigen Vorstellungen von Design und Ausstattung. Speziell das elegante Wartburg 311 Coupe  wusste zu begeistern.

Dass der Wartburg 311 eine stinkende, blaue Fahne hinter sich herzog, war den Gegebenheiten der Zeit  geschuldet. Zweitakter waren damals – den Vorkriegserrungenschaften von DKW sei Dank – in Ost und West gleichermaßen vertreten, doch modern waren sie angesichts der Viertaktmotoren in VW Käfer, Opel Kadett und Mini beileibe nicht mehr. Andererseits hielt die recht anspruchslose Technik Einzug in Wartburg 311 Coupe, Kombi und Limousine, da sie ohnehin da war und obendrein einfach instandzuhalten. Als erheblich moderner erwies sich der Frontantrieb, der wie beim Citroen DS als fortschrittlich galt und auch fortan in allen DDR-Autos mit Ausnahme des großen Sachsenring P240 zu finden war.

Vorwärts mit dem Wartburg 311 Coupe

Obgleich das Wartburg 311 Coupe das unpraktischste Fahrzeug der 311er Reihe war, hatte es den unbestreitbaren Vorteil, ungeheuer repräsentativ zu wirken. Die geschwungenen Linien, geschmackvoll verteilte Chromapplikationen und die Zweifarb-Lackierung in zeitgenössischen Tönen entsprachen vollends dem internationalen Geschmack der Zeit. Auch die übrigen Karosserieformen trugen diesen Schmuck, der edle Wartburg 311 Kombi trumpfte überdies hinaus sogar mit lichtdurchlässigen Dacheinsätzen auf. Angesichts dessen erschien das Motto „überholen ohne einzuholen“ durchaus glaubhaft.

Der 353 löst den Wartburg 311 ab

Die Fahrleistungen vom Wartburg 311 Coupe konnten sich zu jener Zeit durchaus sehen lassen, der wassergekühlte Dreizylinder mobilisierte zwischen 37 und 45 PS, was für weit über 100km/h Höchstgeschwindigkeit langte. Die Viergang-Schaltung wurde zeitgemäß an der Lenksäule bedient, was von den Einzelsitzen im 311 Coupe gleich doppelt Spaß bereitete. In Wartburg 311 Limousine und Kombi mussten die Insassen mit schnöden Sitzbänken Vorlieb nehmen. Als jedoch der barocke Stil in den 60ern außer Mode geriet, sahen die 311er allerdings rasch alt aus. Das erheblich sachlichere Nachfolgemodell Wartburg 353 löste den Elfer des Ostens ab 1965 schließlich ab.