Saab Sonett – Ein Gedicht von einem Sportwagen

Ein Sportwagen aus Schweden? Ja, derartiges gab es auch schon vor den Koenigsegg-Granaten und Volvo P1800. Der Saab Sonett zeigte in drei Baureihen, dass schwedische Fahrzeuge nicht immer im unsportlichen Ruf gepanzerter Sicherheit stehen müssen.

Zu Beginn der fünfziger Jahre begann Saab ein Entwicklungsprogramm für den Sportwagen und konzipierte den Saab Sonett I, bzw. den Saab 94. Dieser wurde 1955 auf dem Stockholmer Automobilsalon präsentiert und bis Anfang 1957 in sage und schreibe sechs Exemplaren hergestellt. Die Karosserie bestand in bester Leichtbaumanier aus genieteten Aluminiumplatten und drückte das Leergewicht vom Roadster auf geringen 500 kg. Den Antrieb übernahm ein überarbeiteter Dreizylinder-Zweitaktmotor aus dem Saab 93.mit 748 cm³ Hubraum. Stolze 57,5 PS kamen knatternd und blau rauchend zustande, das maximale Drehmoment von 88 Nm bei 3.500 U/min wurde an die Vorderräder geleitet. Der Sonett erreichte Traummaße, die heute noch Gültigkeit haben: 348 cm lang, 142 cm breit und gerade einmal 82,5 cm hoch. Da war Fahren mit Helm oder Brille geboten, guckte doch das Gesicht des Fahrers über die flache Frontscheibe. Andernfalls führten die bei einer Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h einschlagenden Insekten doch recht bald zu Ungemach.

Saab Sonett II und Sonett V4

Der als Saab 97 bekannte Sonett II wurde von 1966 bis 1970 in erklecklicheren Stückzahlen gebaut. Der nur als Coupe mit rundlicher GFK-Karosserie erhältliche Flitzer war etwas gewachsen und wies eine Länge von 378 cm, eine Breite von 145 cm und eine Höhe von 117 cm auf. Zunächst tat der gleiche Dreizylinder-Zweitakter mit drei Solex-Vergasern, nun mit 60 PS bei 5.200 U/min. und 94,2 Nm bei 4.000 Touren Dienst. Damit ging der 660 kg schwere Fronttriebler in 12,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 150 Tachoeinheiten. Später kam der 770 kg schwere Sonett V4 hinzu, dem der Viertakt-V4 aus dem Ford Taunus zu einem Spitzentempo von 160 km/h verhalf. Der Vierzylinder mobilisierte aus 1.498 ccm Hubraum 65 PS bei 4700 U/min und 115 Nm Drehmoment bei 2.500 Umdrehungen. Insgesamt wurden 1.868 Sportwagen gebaut, 258 Exemplare mit dem Drei-Zylinder und 1.610 Fahrzeuge mit dem Ford V4-Aggregat.

Saab Sonett III trotzt der Ölkrise

Der Saab Sonett III mit dem senationellen Luftwiderstandsbeiwert von 0,31 wurde auf dem gleichen Chassis mit einer kantigen Karosserie aus der Feder von Sergio Coggiola und Gunnar A. Sjögren versehen. Das von 1970 bis 1974 hergestellte Fahrzeug mit dem gleichen V4-Motor von Ford, verfügte über Klappscheinwerfer, die wie beim Opel GT per Hand zu öffnen waren. Zur weiteren Attraktivitätssteigerung auf dem amerikanischen Markt wanderte der Schalthebel von der Lenksäule sportlich zeitgemäß zwischen die Sitze. Aus Emissionsgründen wurde 1971 der Hubraum auf 1699 ccm vergrößert, die Leistung mit 65 PS jedoch unverändert. Das Coupe hatte erneut zugelegt und war nun 390 cm lang, 150 cm breit und 119 cm hoch. Aufgrund seines unverhältnismäßig hohen Verkaufspreises fand der 880 kg schwere Sonett III weniger Kunden als erwartet, die strenger gewordenen amerikanischen Abgas– und Sicherheitsgesetze gaben dieser Ausführung des Saab 97 nach nur 8.351 Fahrzeugen den Rest. Das erfolgreichste Modelljahr des Saab Sonett war zugleich sein letztes: 1974 wurden 2.483 Sonett III produziert. Die Ölkrise konnte dem Sparmobil indes nichts anhaben.