Lotus Europa – die Inselwaffen

Mit so einem Lotus Deutschland unsicher machen? Aber klar doch, speziell im Süden gibt es für den Lotus Europa jede Menge erstklassiges Auslaufgebiet.

Keine Frage, es gibt schönere Autos als den Lotus Europa, der aussieht wie ein ab der B-Säule verblechter Kombi mit Dachschaden. Doch was kümmerte das Colin Chapman, den Gründer von Lotus Cars? Solange die Kiste flott war und irgendwie als Sportwagen erkannt werden konnte reichte dies. Zudem muss man ihm zugute halten, dass es 1966 zur Einführung des Lotus Europa außer dem Lamborghini Miura quasi keinen in Serie gefertigten Mittelmotor-Fahrzeuge gab, an denen er hätte abgucken können. Doch was soll’s, die Front vom legendären Lotus Auto geriet klassisch-konservativ, das hohe Heck sorgte für gute Aerodynamik.

Lotus Cars bei Motorenwahl unpatriotisch

Im Heck des Lotus Europa fand sich diesmal einen Neuerung: Statt eines heimischen Ford oder Climax-Motors befand Lotus Cars den knapp 1,5 l großen und 78 PS starken Vierzylinder aus dem Renault 16 für ideal. Damit war der 610 kg leichte und lächerliche 107 cm hohe Lotus Europa S 1, wie diese Version hieß, auf verwinkelten Rundkursen oder engen Serpentinen eine echte Granate. Und es wurde noch besser: Im 1,6 l messenden Europa S 2 sorgten ab 1969 fünf PS mehr für Vortrieb, in den Twincam Versionen ab 1971 lagen zunächst 105, als Twincam Special sogar 126 PS an. Damit war das Lotus Auto nur noch auf der Geraden zu greifen.

Lotus Europa – die Eckschleuder

Beim Lotus Europa zeigte Chapman einmal mehr, wie radikaler Leichtbau funktioniert: Die Karosserie bestand aus glasfaserverstärktem Polyester und wurde ans Zentralträgerchassis aus Stahlblech geklebt, sodass ein geschlossenes Chassis entstand. Zudem ließen sich die Seitenfenster nicht öffnen und die Sitze nicht verstellen – doch immerhin die Pedalerie. Die  Türverkleidungen hatten allerhöchstens Alibifunktion. Andererseits konnten die einfachen Aluminiuminstrumente zart besaiteten Beifahrern Furcht einflößen, nämlich dann, wenn die Drehzahl im roten Bereich war und sich der Fahrer erneut anschickte, die unfassbaren 0.9 g Seitenbeschleunigung auszutesten.