Leichenwagen – Oldtimer in Schwarz

Bestattungswagen gleichen im Ansehen der Oldtimer-Fans Rentnerfahrzeugen: Sie glänzen meist mit wenig Laufleistung und Top-Pflege. Denn Leichenwagen waren teuere Anschaffungen, mussten sich also über lange Zeit amortisieren.

Wer einen Leichenwagen kaufen will, sollte sich von vornherein der Konsequenzen bewusst sein: Ein Großteil der – typischerweise unwissenden und intoleranten – Mitbürger wird einen nun für einen Goth, Grufti oder bei völliger geistiger Umnachtung auch für einen Emo halten. Dabei gibt es für Singles oder kinderlose Paare kaum bessere Gebrauchtwagen als gebrauchte Bestattungswagen: Ein Leichenwagen wird vom Bestatter aufgrund des Status als mobiles Aushängeschild typischerweise sehr gut in Schuss gehalten und allerhöchstens bei den ohnehin seltenen Überführungsfahrten etwas flotter bewegt, ist also quasi nie verheizt.

Leichenwagen auch in den USA verehrt

Leichenwagen haben darüber hinaus den Vorteil, aufgrund ihres spaßlosen Arbeitsumfeldes in der Regel von als extrem seriös und zuverlässig erachteten Herstellern zu stammen: In den USA erfahren die Cadillac Leichenwagen, dort auch nach dem Karosseriebauer als „Hearse“ große Nachfrage, während hierzulande Mercedes Leichenwagen das Angebot dominieren. Mitunter sind auch Volvo Leichenwagen oder gar solche auf neuerer VW Bus-Basis anzutreffen. Speziell letztere Bestattungswagen sind jedoch umstritten – Benz und Caddy zeigen, wie es geht: Luxuslimousine mit nach Auslieferung durch eine Karosserieschmiede angefertigtem Aufbau.

Ruhen im Bestattungswagen

Wenn Leichenwagen Kombi-Modellen wie der Mercedes E-Klasse oder auch dem Ford Granada zugrunde liegen, stehen sie in der Prestige-Skala logischerweise weniger hoch – Luxusautos gab es nun mal nicht mit Kombiheck, maximal gehobene Mitteklasse-Fahrzeuge. Allen gemein ist jedoch das Platzangebot: Wer nach dem Leichenwagen Kaufen den Aufzug und den Ladeboden rausschmeißt, hat genügend Platz für eine große Matratze und kann sich beim Oldtimer Treffen so richtig lang machen, während andere in dünnen Zelten frösteln. Ansonsten überzeugen Bestattungsfahrzeuge durch ihr autoritäres Wesen: Niemand will dem Tod zu nahe kommen, also schneidet einen auch keiner.