Land Rover Lightweight: Über Stock und Stein mit der Nato-Klasse

Land Rover-Fans sind selbst unter eingeschworenen Old- und Youngtimerfans eine Kaste für sich: Will man der einen oder anderen Kolportage Glauben schenken, gibt es unter dieser Spezies Schrauber und Sammler, die einen mühselig und in vielen Stunden unter großen finanziellem Aufwand restaurierten Land Rover aus den Siebzigern für ein total abgerocktes Modell aus den Sechzigern abgeben: Und das auf einem Landy-Besitzertreffen in Schottland, unter Preis, eventuell noch für eine Flasche Single Malt obendrauf. Und warum das alles? Weil sie einfach nicht die Finger von der Restaurierung der legendären alten Stoppelhopser lassen können.

(mil) für Military

Wer so ein Verhalten nachvollziehen kann, sollte sich eine bestimmte Spezies Land Rover einmal auf den einschlägigen Gebrauchtmärkten näher anschauen: den Military Land Rover Lightweight „mil“ (Kürzel für „Military“). Schon rein visuell unterscheidet sich die Militärversion (Natoklasse: Half-Ton Military Truck, Lkw 0,5 t gl)von den zivilen Landys seiner Zeit: Der von den frühen Siebzigern bis in die achtziger Jahre hinein produzierte und in über zwanzig Länder exportierte Lightweight verzichtet auf die eckigen Schuhkarton-Kotflügel seiner zivilen Artgenossen und kommt visuell eher wie eine Art Jeep daher. Zu seiner Bauzeit galt er als das geländegängigste Fahrzeug seiner Zeit, und mit typisch englischer Exzentrik ist sein Name natürlich irreführend: „Lightweight“ war dieser Military Land Rover nie wirklich: Er wog etwa 140 Kilogramm mehr als seine zivilen Kollegen. Den Namenszusatz erhielt der Wagen nur, weil er als lufttransporttauglich konzipiert worden war – so ließen sich Teil wie die Frontscheibe oder die Seitentüren schnell an- und abmontieren.

Technische Besonderheiten

Gegenüber den Zivilmodellen aus dem Hause Rover hatte der Land Rover Military zahlreiche Besonderheiten, die auf seine militärische Verwendung zurückzuführen waren: Dazu gehörten unter anderem eine Nato-Kupplung, eine Militärbeleuchtung, Halterungen für Spaten und Hacke, eine Ersatzreifenhalterung auf der Motorhaube sowie besonders belastbare Zugösen. Nach ihrer Ausmusterung und dem Zivilverkauf versahen viele Lightweights ihren Dienst als Nutzfahrzeuge auf zahlreichen Farmen in UK und in Europa, oder in Forstbetrieben. Wer heute auf dem zivilen Markt einen alten Land Rover Lightweight ersteht, sollte daher schon mal Engelbert-Strauss-Arbeitshandschuhe, eine alte Carhartt-Jacke und Schuhe mit ölresistenter Sohle anziehen: Viele der mittlerweile in die Jahre gekommenen Lightweights sind viel bewegt, aber als Nutzfahrzeug wenig gepflegt worden. Schmutz, Rost und Co müssen also erst mal entfernt werden, bevor das Innenleben mehr oder weniger aufwendig restauriert werden kann. Ist das aber erledigt, könnte sich die Mühe im Falle eines Wiederverkaufs gelohnt haben: Restaurierte Exemplare des beliebten Lightweight-Landys wechseln gern mal für 10.000 Euro und mehr den Besitzer.

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