Italienische Dampfnudel – der Alfa Romeo 75 Turbo

Mit dem Alfa 75 gratulierte sich Alfa Romeo 1985 zum 75-jährigen Firmenjubiläum. Von vielen Alfisti als letzten echten Alfa vor der Fiatübernahme beweint, glänzt der Alfa 75 mit charakteristischen Alfa-Merkmalen. Heckantrieb samt Transaxlegetriebe und DeDionachse versprachen alfatypische Fahrdynamik. Dass diese auch mit lediglich 1,8 l Hubraum erreicht werden konnte, besorgte der in Mode kommende Turbolader.

Turboaufladung – der Alfa 75 stellt sich Zeitgeschmack und Politik

Ein Jahr nach dem Debüt des 75 gesellte sich 1986 der 75 Turbo zu seinen vier- und sechszylindrigen Stallgenossen. In Zeiten von Maserati Biturbo und Porsche 959 erwies sich die Aufladung als cleverer Weg, mit dem Ruhm des Püsterichs einige Marktanteile gutzumachen. Zudem legitimierte die italienische Luxussteuer mit einem Zuschlag von 33,3 % auf Fahrzuge mit mehr als zwei l Hubraum Alfas starke, kleinvolumige Motoren als dringende Notwendigkeit. Allen 75 Turbo waren ein Garret T3-Lader, ein Ladeluft- und ein Ölkühler beschieden. Trotz all dieser Raffinessen empfiehlt sich langsames Kaltfahren des Mittelklassewagens, will man noch lange Freude an ihm haben.

Aufgeblasener Sporteinsatz im 75 Turbo evolutione

Zur Marktetablierung sollte auch die Teilnahme an der Tourenwagenweltmeisterschaft von 1987 verhelfen, was jedoch in einem Desaster endete: Die sechs gemeldeten Alfa 75 Turbo mit ihren 21 Fahrern konnten den BMW M3 und Sierra Cosworth nichts entgegensetzen und bekleideten bestenfalls einen 12. Platz in der Gesamtwertung.Als Sondermodell firmierte ab 1987 der 75 Turbo evolutione, der homologationsbedingt geringfügig weniger Hubraum als der Serien 75 Turbo, dafür mit besseren Tuningmöglichkeiten aufwartete. Leistung und Drehmoment blieben mit 155 PS und 226 Nm unverändert. Äußerlich hob sich der evolutione vom gewöhnlichen 75 Turbo durch Rundumverspoilerung und einen roten statt grauen Kühlergrilleinsatz ab.

Der 75 entwickelt sich als Verkaufserfolg

Trotz gescheiterter Rennkarriere verkaufte sich der 75 prächtig, in den ersten drei Jahren konnten gut 170000 Wagen an Freunde der gepflegten italienischen Linienführung gebracht werden. Namentlich stammte diese aus der Feder von Ermanno Cressoni, der auch Giulietta Nuova und Alfa 33 gestaltet hatte. Zudem riefen die vier Türen des kantigen Keils nie das Image einer lahmen Familienkutsche hervor; die dank des Getriebe-Differentialblocks im Heck perfekte Gewichtsverteilung von 50:50 und die 25-prozentige Differentialsperre sorgten für mehr Sportsgeist als ihn viele Konkurrenten je hatten. Gaseinsatzbedingt nahmen die flotten Alfisti Kurven leicht unter- bis zackig übersteuernd und erfreuten sich am ungefilterten Fahrvergnügen des 75 Turbo. Erst 1990 hielt das ABS Einzug. Scheibenbremsen rundum, hinten sogar innenliegend, gab es davor schon serienmäßig.