Iso Grifo – der stählerne Adler

Autor: Florian

Der Iso Grifo ist im Gegensatz zu obigem Spielfilm erheblich ernstzunehmender: Der Sportwagen war einer der ersten, der 300 km/h Spitze nicht bloß angab, sondern sie auch knapp erreichte. Ferrari Daytona und Lamborghini Miura hatten mit dem „Greif“ in jedem Fall nichts zu lachen.

Iso Grifo der ersten Serie ©flickr / Ed Callow [ torquespeak ]
Der Iso Grifo ergänzte ab 1964 das Angebot vom Kleinserienhersteller Iso Rivolta. Das sehr geschmackvolle Coupe mit großer Glaskuppelheck und Lüftungsgittern in den Frontkotflügel wurde in der Carozzeria Bertone von Designer-Ikone Giorgio Giagiaro gezeichnet. Muscle Cars wie der Pontiac Firebird, der Chevrolet Camaro und der Ford Mustang nahmen in der Folge kleine Designanleihen; Designklau wie aus Japan und China war es indes nicht. Unter der Motorhaube bollerte zunächst der kleine 327 cui Small Block aus der Corvette, der je nach Verdichtung 304 oder 355 PS bereitstellte. Damit waren schon mal 230 bzw. 250 km/h drin.

Iso Grifo 7 Litri – ein Säufer vor dem Tankwart

Dass Iso Rivolta Grifo-technisch aus dem Vollen schöpfte, zeigte sich am am aufwendigen Fahrwerk: Vordere Dreiecklenker sowie hintere DeDion-Achse mit Längsschubstreben und Wattgestänge, machten den Anfang, rundum Schraubenfedern und Scheibenbremsen erledigten den Rest. Das Sportcoupe mit den Abmessungen 4430 x 1770 x 1200 mm (LxBxH) hatte erheblich mehr Potenzial, das der 427 cui Chevy Big Block realisierte: Der Iso Grifo 7 Litri soff den 100-Liter-Tank in 25-l-Schlucken leer, donnerte aber der „3“ auf dem Tacho besonders entschieden entgegen. Allerdings litten die 1968 präsentierten 7 Litri mit Sixpack-Vergaser oft unter thermischen Problemen; ein anderes Kühlsystem und ein größerer, gekühlter Ölkreislauf können hier Abhilfe schaffen.

Grifo Can Am mit Iso Lele-Frontgestaltung

Der Iso Grifo Can Am, der von 1970 bis 1972 gebaut wurde, hatte den noch größeren 454 cui Turbofire-Motor, der mit 677 Nm zwar mehr Drehmoment leistete, allerdings auch noch mehr Gewicht mit sich brachte. Zudem bekam der Grifo ab 1970 eine Klappscheinwerfer-Front im Stil des Iso Lele, einem weniger brachialen Coupe. Das Interieur fand indes keine keine Überarbeitung, das es sowohl exzellent aussah und auch so verarbeitet war.Ab 1972 war nur noch der Ford-351-Small-Block mit 5,8 Litern Hubraum zu haben. Schließlich machte die Ölkrise dem schnellen Treiben ein Ende; 1974 schloss Iso die Tore.
Wenn ein Schild „Iso Grifo for Sale“ lockt, heißt es in jedem Fall zuschlagen und sich einen der etwa 412 hergestellten Boliden sichern. Ein sechsstelliger Betrag ermöglicht diesen besonderen Autokauf.


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Detlef Stump schreibt
am 16. Oktober 2010 um 11:38 Uhr

Ich muß vorwegschicken , daß ich einen ausgeprägten Autotick habe. Möglicherweise erblich bedingt, mein Bruder war zeitweilig auch intensiv davon befallen.

 

Heute blicke ich auf zahlreiche Autos zurück. Ich weiß nicht genau wie viele es waren, es waren aber mehr als 100. Darunter war alles mögliche, herausragend mein ISO Grifo 7 Litri, Jaguar E, zahlreiche Daimler, vom 170, 280, 3,5 - 6,9,  560, 600, 500. Oder Austin Healey Frogeye, Alfa Spider.

 

An die meisten Autos erinnere ich mich gerne zurück, einige wenige habe ich aus meinem Gedächtnis gestrichen. Besonders erinnere ich mich noch an den Kauf meines Grifos und was ich mit ihm erlebte.

 

In den 70er Jahren war ich oft bei Auto Becker in Düsseldorf. Anfang 1975 setzte ich mir in den Kopf, einen ISO Grifo in der 7 Liter Version zu kaufen. Ich rief bei Becker Rolf Schaffrath, den Verkäufer meines Vertrauens an. Die hatten zu der Zeit 3 Grifos stehen: 2 x 7 Liter, 1 x 5,4. Ich bin hin und habe mir die beiden 7 Liter angesehen. Einer Rot, der andere Aubergine. Aubergine ist eigentlich eine selten blöde Farbe, aber das war der technisch bessere. Der hatte 5-Gang, Speichenräder und war Baujahr 70, also knapp 5 Jahr alt. (7 Liter bedeutet übrigens Hubraum und nicht etwa Verbrauch, falls das jenmand glauben sollte!) Die Probefahrt fand auf der Rampe zum Parkdeck und auf dem Parkdeck statt. Das reichte, um bei mir sämtliche Sicherungen durchbrennen zu lassen.

 

Mit dem Rest meines Verstandes begann ich dann die Verkaufsverhandlungen. Zu der Zeit fuhr ich einen 280 SE 3,5.  Nach einigem hin und her sollte ich auf den Mercedes 10.000,- DM drauflegen. Ich habe erst mal dankend abgelehnt und bin nach Hause gefahren. In den nächsten 3 Monaten wurde dann telefonisch weiter gefeilscht. Dabei habe ich den Preis schon ordentlich gedrückt. Das mag heute so manchen wundern, aber damals war die Zeit der Ölkrise und jeder der schon mal einen 7 Litri gefahren hat, weiß, wie schnell der den - nicht kleinen Tank - leer macht. Und  ISO hatte damals kein gutes Image.

 

Jedenfalls bin ich dann nach ungefähr 3 Monaten wieder hingefahren. Diesmal hatten die Beckers es besonders schlau angefangen: Der Grifo stand jetzt in der Traumwagenhalle, oberhalb des Restaurants zwischen den anderen Preziosen. Und glänzte in der besonderen Umgebung. Ich bin natürlich sofort wieder schwach geworden und habe ein letztes Angebot gemacht, ohne was in Zahlung zu geben. Das war genau die Hälfte des ursprünglich aufgerufenen Preises. Die haben natürlich geschluckt, ich mußte mit Rolf  Schaffrath zum Verkaufsleiter Horst Klammer, der gab nach einigem lamentieren  auch seinen Segen. Ich stand dann vor meinem Grifo, der hat mich unglaublich beeindruckt. Das war wirklich ein Ungeheuer. (Grifo bedeutet auch Ungeheuer) Wir haben noch das Bordwerkzeug aus den anderen Wagen komplettiert, rote Nummer dran, dann ging’s los.

 

Meine damalige Frau Petra mußte den Mercedes nach Hause fahren. Das war der besondere Schwierigkeitsgrad; wenn ich die hinter mir verloren hätte, die wäre nie nach Hause gekommen. Wobei ich hier ausdrücklich nichts gegen Frauen am Steuer im allgemeinen und Petra im besonderen sagen will. Gerade die fuhr eigentlich super, obwohl wir mit einem ALFA Spider auch schon - unschuldig natürlich - mit Petra am Steuer  in einem Blumenbeet auf der Korte-Kreuzung gelandet sind. Nachdem jemand die Vorfahr nicht achtete und uns reinfuhr. Allerdings, Petra hat schon gern Gas gegeben. 

 

Zurück zur Überführung des Grifos: Zu allem Überfluß regnete es auch noch in Strömen. Es war so viel Wasser auf der Straße, daß ich wegen der dicken Reifen mit Aquaplaning zu kämpfen hatte. Hinter mir verschwand alles in einer Gischtwolke. Übermäßig schnell konnte ich nicht fahren, trotzdem wurde die Hitze im Wagen immer unerträglicher. Mir brach der Schweiß aus. Obgleich ich den Temperaturregler schon ganz runter gedreht hatte. Ich fand einfach keine Möglichkeit, die Heizung ganz auszubekommen. Mal abgesehen davon, daß der Motor den Wagen ganz schön aufheizte. Bis ich dann endlich herausfand, daß die Heizung mit einem Kippschalter ausgeschaltet wurde. Gleichzeitig mußte ich natürlich immer ein Auge im Rückspiegel haben, ob Petra in der Gischtwolke noch  hinter mir war.

 

Jedenfalls kamen wir gut zu Hause an. Ich kann mich heute noch an das Gesicht des Mannes bei der Zulassungsstelle erinnern, als der die Daten des Grifos las. Da stand drin: 300 km/h Höchstgeschwindigkeit und das im Jahre 1975! Der gute Mann war von den Socken. In den nächsten Wochen gewöhnte ich mich erst einmal an die enorme Leistung des Autos. Obgleich ich immer schnelle Wagen gefahren hatte, verfügte der Grifo doch über ein solches Leistungspotential, daß ich mich da nur langsam herantasten wollte. Ab 250 wird nun mal die Straße doch schon ziemlich schmal. Die Straßenlage des Grifo war über jeden Zweifel erhaben. Unerschütterlicher Gradeauslauf, gutmütiges Verhalten auch bei sehr hohen Geschwindigkeiten, ein enormes Beschleunigungsvermögen (von 0-100 in 5,5 Sek.) und sehr gute Bremsen ließen Geschwindigkeiten zu, die mit anderen Autos undenkbar waren. Die Straßenlage des Grifos ist auch deutlich besser, als z.B. die eines Jaguar E. Auf die Bremsen komme ich später noch mal zurück.

 

Der Grifo fiel unglaublich auf. Es kam vor, daß ich mir durch Leute, die um den Wagen standen, den Weg bahnen mußte, um einzusteigen. Das war mir oft doch peinlich.

 

Besonders in Erinnerung ist mir eine Fahrt nach Düsseldorf. Wir wollten mit einigen Freunden zu einem BARRY WHITE Konzert. Die anderen fuhren mit einem 300 SEL 6,3 und einem Porsche 911 S. Beides keine langsamen Autos. Übrigens: Ich hatte den Grifo vor der Fahrt natürlich vollgetankt, trotzdem mußte ich vor Düsseldorf noch mal nachtanken. Bei vollem Rohr brauchte der  knapp 36 Liter.

 

Es ging Samstag, frühen Vormittag los. Die Autobahn reichte noch nicht, wie heutzutage bis nach Wilhelmshaven. Zu der Zeit gab es auch noch keine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Bundesstraßen. Es ging zunächst bis Ahlhorn über Bundesstraßen, dann kam die A1. Als wir da ankamen, war der 6,3 doch schon ziemlich abgeschlagen, der konnte natürlich nicht so durch die Kurven wie der Grifo und der Porsche.

 

Auf der Autobahn habe ich dem Porsche erst mal den Vortritt gelassen und wartete ab, bis der so richtig in Schwung war. Das Tempo konnte ich mühelos mithalten. Dann ging’s los. Mein Freund Willi ist heute noch beeindruckt, wenn wir über diese Fahrt reden. Obgleich er schon Vollgas fuhr, kam der Grifo wie ein D-Zug auf und ging vorbei wie nichts. So etwas hatte er vorher noch nie erlebt. 

 

Leider bekam der Porsche dann Probleme. Schon im vorbeifahren sah ich Rauch, der aus der Motorhaube des Porsches kräuselte. Irgendwo leckte Öl (obgleich der erst ca. 1 Jahr alt war). Wir haben den dann erst mal auf der Raststätte Dammer Berge stehen lassen und Willi ist mit seiner Frau in den 6,3 umgestiegen. Dabei erging er sich in übelsten Beschimpfungen über seinen Porsche. Er hatte Jahre später noch mal einen 911, auch mit Problemen und ich muß sagen, daß mich seine Erfahrungen davon abhielten, mir jemals einen Porsche zu kaufen, schon gar keinen 911.

 

Es ging dann weiter Richtung Düsseldorf. Ich wollte nach einiger Zeit nicht mehr hinter dem Mercedes herzuckeln, sondern den Grifo mal wieder richtig laufen lassen. Also bin ich vorbei und habe die hinter mich gelassen. Bis kurz vor dem Kamener Kreuz ging´s auch ganz flott voran, dann kam mir bei knapp 270 irgend jemand mit seinem, bis auf den Dachgepäckträger vollgepackten Kadett Caravan in die Quere, der unbedingt jemanden überholen wollte, ohne darauf zu achten, das ich auf der Überholspur ankam. Und jetzt noch mal zurück zu den Bremsen des Grifos: Ich bin bei diesem enormen Zahn auf die Bremse, erst dachte ich, ich schaff’´s nicht mehr, aber dann ging doch alles gut. Alles ohne irgendwie auszubrechen oder irgendwelche Schwächen zu zeigen. Es ging dann doch etwas langsamer weiter, auch deshalb weil der Verkehr inzwischen schnelleres fahren nicht mehr zuließ.

 

Wir haben ein tolles Wochenende in Düsseldorf verlebt. Auf der Rückfahrt gab es dann noch ein schönes Ereignis: Bei freier Autobahn  Sonntag nachmittag  überholte ich mit leicht über 200 einen kleinen Pulk Autos. Mittendrin ein Polizei-Mercedes. Kurz darauf kam eine Baustelle, nur als Spurverengung rechts, niemand arbeitete dort zu dieser Zeit. Ich bin da doch ziemlich schnell durch, was die Bu…, ich meine die Polizei hinter mir dazu bewog, aus dem Pulk auszuscheren und hinterher zu preschen.

 

Mir war aber nicht danach, irgendwelche überflüssigen Fragen zu beantworten, deshalb gab ich Gas, als ich das Manöver bemerkte. Alles raus was drin war, vierten Gang bis 240 und dann in den 5ten. Ich verließ den Schauplatz des Geschehens, die Polizei schrumpfte wie nichts im Rückspiegel.

 

Warum ich den Grifo verkaufte, ist mir heute ein Rätsel. Er ging dann nach Bremerhaven und landete letztlich in Braunschweig. Dort stand er bald 15 Jahre. Durch den ISO-Club weiß ich, daß ein Sammler aus Holland den Grifo inzwischen gekauft hat und der Wagen in Italien restauriert wurde. Ich freue mich, das es meinem Grifo gut geht, und hoffe ihn nach der Restaurierung mal wiederzusehen.

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Manfred Ludwig schreibt
am 14. Mai 2011 um 18:27 Uhr

auch ich hatte mal einen Iso Grifo, einen Jaguar E-Type 12 Zyl., einen De Tomaso Pantera GTS, und ich könnte mir sonst wo hin treten, dass ich mich von diesen Fahrzeugen trennte, man wollte eben mal wieder Abwechslung und tauschte ein. Solch schöne Fahrzeuge gibt es einfach nicht mehr…

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Horst M. schreibt
am 18. Oktober 2011 um 21:45 Uhr

Mensch Detlef!
Diese schöne Geschichte von Deinem ISO nochmal zu lesen, statt zu hören - Toll. Im übrigen: Der Mann lügt nicht! Ich kenne ihn und den Grifo!

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Herwig Bayer schreibt
am 19. Oktober 2011 um 15:34 Uhr

Lieber Detlef Stump,

über Ihre flott und lustige formulierten “Grifo-Erlebnisse” mußte ich schmunzeln, ja, so muß es damals gewesen sein. In den 70ger Jahren standen bei uns in München bei Fa. Leitner auf der Leopoldstraße immer wieder Rivoltas und Grifi herum - zu Dumpingpreisen von ca. 5.000.- DM. Die standen sich dort die Reifen platt.
Heute besitze ich den Grifo 365, der auf dem Genfer Automobil Salon 1966 stand und durch die Literatur geht. Ich freue mich, daß er in meiner Garage neben einem Dino 246 GTS steht.
Ihnen eine gute automobile Zeit!
Mit freundlichen Grüßen

Herwig Bayer
München

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