Gutbrod Superior 700 – Direkteinspritzung in die Versenkung

„An der Spitze des vielseitigen Programms der Gutbrod-Motorenbau G.m.B.H. Steht der Gutbrod-Superior. Dieser Zweisitzer ist ein Fahrzeug für den Kenner, ausgereift in seiner Konstruktion mit echtem Fahrkomfort.“

So warb Gutbrods Marketingabteilung vollmundig für den Superior. Was machte diesen Wagen mit seinem 700 ccm-Zweitaktmotor nun so herausragend? Die Benzin-Direkteinspritzung. Genau das System, was derzeitig bemüht wird, den Kraftstoffkonsum moderner Motoren einzudämmen. Das stellte zwar auch zum Erscheinen des Superior 700 im Jahr 1952 keine grundlegende Innovation, waren doch einige Moto Guzzi Rennmaschinen und vor allem Jagdflugzeuge damit unterwegs, nicht jedoch Straßenfahrzeuge. Der ingeniöse Vergaser-Ersatz wurde vor aus einer Bosch-Dieseleinspritzanlage entwickelt; wen wundert es da, dass der Flügeltürer Mercedes 300 SL eine ebensolche erhielt, nachdem Projektleiter Hans Scherenberg nach dem Gutbrod Konkurs 1953 zum Stuttgarter Stern gewechselt war?

Gutbrod Superior – Knattern im Zweitakt

Auch keinesfalls dem damaligen Standard entsprach der Frontantrieb im Gutbrod Superior 700, der die 26 PS des 650-kg-Leichtgewichts über die schmalen Reifen auf die Straße brachte. Bis zu 100 Sachen waren möglich, nahm man keinen Anstoß an Lärm und Gestank des Zweizylinder-Zweitakt-Motors. Hinter dem Motor mit obenliegender Lichtmaschine fand der Kühler Platz, eine Anordnung, die der Wartburg 353 übernahm. Ein Kühler? Aber ja, Luftkühlung war was für VWs. Ähnlich den Business Coupes der amerikanischen Hersteller verfügte die zukunftsweisende Knallbüchse mit 356 cm Länge und etwa 140 cm Breite über nur zwei Sitze, aber einen geradezu gewaltigen Kofferraum. Dem Zeitgeschmack entsprechend trug der Gutbrod Superior 700 eine Pontonkarossrerie mit Selbstmördertüren und – oho – hinten wie vorne Einzelradaufhängung.

Gutbrod Konkurrenz: VW Käfer

Mit 5.275 Mark war der Gutbrod Superior 1953, als das durchschnittliche Familieneinkommen 400 DM betrug absolut kein Schnäppchen. Auch erheblich größere Fahrzeuge wie der VW Standard Käfer zum Preis von 4.150 DM oder der noblere Export-Käfer für 5.150 DM machten dem Superior schwer zu schaffen. So kam es, dass von dem spartanischen Fahrzeug mit Zentralrohrahmen insgesamt nur 7.762 Stück gebaut wurden, davon 866 Kombi-Versionen in Handarbeit bei Westfalia. Was der aus Restbeständen bis 1954 prosduzierte Superior seinen Konkurrenten jedoch voraus hatte war neben der Technik sein faltbares Sonnendach – wäre Citroen Ente und Renault Twingo sonst ein derartiger Erfolg beschieden?